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	<title>Zum Blonden Engel</title>
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		<title>Fünf Fragen</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Apr 2012 13:04:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>frederic</dc:creator>
				<category><![CDATA["Mach ma n Zettel"]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich hab keine Lust zu arbeiten. Deswegen (und weil hier bisher erschreckend wenig persönliches steht) renn ich mal diesem Stöckchen hinterher, trotz der schwierigen Einstiegsfrage. 1) Erzähl mal – welcher Verein und warum? Lautern. Wobei das keine Liebe ist, eher eine tiefe Freundschaft. Das kam so: Bei uns auf dem Dorf gabs nur drei Möglichkeiten, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich hab keine Lust zu arbeiten. Deswegen (und weil hier bisher erschreckend wenig persönliches steht) renn ich mal <a href="http://www.ankegroener.de/?p=16049">diesem</a> <a href="http://www.lisaneun.com/l9log/?p=46">Stöckchen</a> hinterher, trotz der schwierigen Einstiegsfrage.</p>
<p><strong>1) Erzähl mal – welcher Verein und warum?</strong></p>
<p>Lautern. Wobei das keine Liebe ist, eher eine tiefe Freundschaft. Das kam so: Bei uns auf dem Dorf gabs nur drei Möglichkeiten, Bayern, Sechzig oder Stuttgart. Bayern und Stuttgart waren die Stadien inakzeptabel, außerdem waren deren Fans bräsig und selbstherrlich. 60 fand und finde ich immer nett, wie man einen freundlichen Barmann nett findet: schön, dass es Dich gibt, danke, wiedersehn. </p>
<p>Da mein Onkel Lauterer war, hab ichs immer mit denen gehalten. Ich war nie dort im Stadion, hatte kaum Kontakte zu den Fans, hab mit ihm häufiger in Kneipen geschaut (unter anderem das todtraurige Spiel damals gegen Leverkusen); deswegen hat das keine Wurzeln geschlagen in meiner Biographie. Lautern-Spiele seh ich mit einer Mischung aus Wohlwollen und Begeisterung, wenns gut läuft, und Resignation und Trauer, wenns schlecht läuft: nie Euphorie oder Wut. Das passiert mir höchstens bei Spielen der französischen Nationalmannschaft.</p>
<p>In Berlin hab ich eine Zeit mit Union geliebäugelt, davon aber wieder Abstand genommen. Erstens bekommen die immer mindestens vier Buden, wenn ich im Stadion bin, und zweitens gefällt mir das Sakrale und auch ein bisschen Sektiererische im Stadion zwar ganz gut, aber ich bekomme mich damit überhaupt nicht identifiziert. Am schlimmsten wars nach den Artikeln <a href="http://www.morgenpost.de/sport/union/article1711336/Union-Berlin-schliesst-den-Eisernen-Vorhang.html#reqRSS">über Zingler und das Wachregiment</a>, als Christian Arbeit da vor dem Fürth-Spiel auf dem Rasen stand und sagte, man man sich von anderswo Geborenen nichts erklären lassen müsse. Und das Stadion hat gejubelt. Da war ich ziemlich schnell raus aus der Nummer. Hertha kann man ernsthaft nur mögen, wenn man es aufgrund psychischer Defekte muss (schwere Kindheit, Liaison mit Michael Preetz), und den Rest schau ich manchmal sogar, aber da fehlt die Fallhöhe. Zu Babelsberg würde ich gerne mal hin, bezweifle aber, das mich meine Abneigung gegen Rituale verlassen wird.</p>
<p><strong>2) Was ist deine verhassteste Schweinephrase?</strong></p>
<p>Ich hasse Phrasen überhaupt. Phrasen sind das Salz im Auge des Betrachters.</p>
<p><strong>3) Was war dein bisher unangenehmster Feindkontakt?</strong></p>
<p>Mehrere. Als Zuschauer: den Blocksturm der BFCler in der ersten DFB-Pokalphase, knapp gefolgt von einem Stadionbesuch in Sinsheim zur Frauen-WM, Frankreich &#8211; Nigeria, mit all dieser aufgesetzten Laola-Begeisterung. Das war auf sehr unterschiedliche Arten unangenehm und bedrohlich. </p>
<p>Als Schiedsrichter habe ich mal das Spitzenspiel der obersten Berliner Freizeitliga gepfiffen, Erster gegen Zweiter zwei Spieltage vor Schluß. Da gings um richtig was, die waren alle abgefüllt mit Adrenalin. Dieses Gefühl, ganz allein auf dem Platz zu stehen und um Dich rum 22 schwitzende, einigermaßen aggressive Männer, denen Du mit einem Pfiff den Tag versauen kannst, das war recht einschüchternd. Nachdem ich in der zweiten Minute einen ungerechtfertigten Elfmeter gegeben habe, dachte ich, die stampfen mich ein. Interessanterweise haben beide Mannschaften mich danach sofort als Autorität akzeptiert. Das hätte auch ganz anders laufen können, die beiden Mannschaften waren glücklicherweise sehr zivilisiert: hätte ich das Spiel weiter unten gepfiffen, es hätte wohl nach dem Ende kein Bier am Tresen gegeben, sondern Morphine im Krankenhausbett. Seither Respekt für alle Schiedsrichter, vor allem in den unteren Ligen.</p>
<p>Als Spieler sind wir mal nach einem Turnier irgendwo hinter Grünkraut von einer Gruppe Nazis überfallen worden. An dem Abend hat sich bei mir dauerhaft ne Niere ausgewechselt. Aber das erzähl ich ein andermal.</p>
<p><strong>4) Lustigste Fußballanekdote?</strong></p>
<p>Ich hab mal während eines Hallenturniers Heiko Butscher getunnelt!</p>
<p>Naja, gut.</p>
<p><strong>5) Was ist für dich die Faszination am Fußball?</strong></p>
<p>Im Stadion zu sein und zu merken: Keiner weiß, wies ausgeht. Aber alle freuen sich drauf.</p>
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		<title>Mit dem Spiegel reden</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Apr 2012 10:30:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>frederic</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geht auf's Haus!]]></category>

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		<description><![CDATA[Diesen Samstag könnte Klopp zum ersten Mal seit Wochen nicht mehr die Frage hören, ob er denn jetzt endlich Meister sei. Und wir könnten Klopp zum ersten Mal nach der allerersten Frage des Fieldinterviews nicht nenervt nach links oder rechts oben linsen sehen, ungeduldig ob dieser Zeitverschwendung. Klar, die Frage ist ja auch so berechenbar [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Diesen Samstag könnte Klopp zum ersten Mal seit Wochen nicht mehr die Frage hören, ob er denn jetzt endlich Meister sei. Und wir könnten Klopp zum ersten Mal nach der allerersten Frage des Fieldinterviews nicht nenervt nach links oder rechts oben linsen sehen, ungeduldig ob dieser Zeitverschwendung. Klar, die Frage ist ja auch so berechenbar wie überflüssig und hat ungefähr die intellektuelle Fallhöhe von Herr Tutorial.</p>
<p>Wen man mal von der Version absieht, dass Redaktionen, Field-Reporter und alle sonstigen Verantwortlichen fürs Fußballfernsehen schlicht strunzendoof sind und seit Jahren nicht merken, dass sie mit solchen Fragen Squash mit Gummibällen spielen: Was mag bloß die Motivation dahinter sein?</p>
<p>Was ja gerne gemacht wird, ist auszudeuten, wie der Interviewpartner auf solche Fragen ausweicht. Wird Hoeneß bloß lachen oder lospoltern? Schaut Heynckes nur irritiert oder doch überfordert? Wie oft kippt Labbadia der Kopf nach rechts weg? Die Versuchsanordnung ist soll die eines Verhörs mit einem Ungeständigen sein: Man weiß, er wird nicht sagen, was man hören will, sucht aber nach allen möglichen Anzeichen, die Gefühle andeuten: Wie sieht es hinter der Wortfassade aus? Was will er verstecken, kann es aber nicht?</p>
<p>Da feiert sich das Fernsehen als Investigativmaschine: entscheidend ist nicht, was man hört, wichtig ist, was man sieht. Das Bild ist wahrer als das Wort, eine Illusion, in der das Fernsehen seine eigene Notwendigkeit mit aller Gewalt zur Sprache bringen will.</p>
<p>Es vergisst dabei, wie leicht es zu manipulieren ist. Man kann das ganz gut an den letzten Wutausbrüchen von Uli Hoeneß sehen, insbesondere gegen die Medien: die waren natürlich wohlkalkuliert und hatten nichts spontanes; es war eine kalkulierte Emotionalität, was dann funktioniert, wenn der Ausbruch authentisch wirkt, also: gut gespielt. Damit nimmt Hoeneß man den Druck von der Mannschaft, weil Sendezeit mit viel Hoeneß gefüllt werden wird und dadurch kaum mehr Raum bleibt, die Lahmsche Lahmheit der letzten Wochen zu analysieren. Das Fernsehen macht, auch wenn es von sich selbst anderes behauptet, alle Beteiligten zu Schauspielern. </p>
<p>Oder vielmehr vergisst das Fernsehen diesen Umstand nicht, sondern nimmt es billigend in Kauf: schließlich lebt es nicht von den Gedanken, die es anstößt, und auch nicht von den Inhalten, die es transportiert, nein, es lebt von der Nähe zu seinem Thema. Das Fernsehen inszeniert sich selbst als größter, bester und erfolgreichster Fan. Das ist der Sinn der Field-Interviews: zu zeigen, dass man in Bereiche kommt, die Normalsterblichen vorenthalten bleiben. Anders gesagt, inszeniert sich das Fernsehen hier als privilegiert; von diesem Privileg gibt es dann den Eindruck von Nähe an den Zuschauer weiter. </p>
<p>Also: Nähe ist der Gradmesser für den Erfolg eines Interviews, nicht Inhalt. Das geht sogar soweit, dass Inhalt im Zweifel eher stört: und das ist der Grund, warum es immer noch Field Interviews mit dämlichen Fragen gibt.</p>
<p>Damit einmal im Jahr jemand sagt: &#8220;We have a grandios Saison gespielt.&#8221;</p>
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		<title>32 Jahre, zweieinhalb Ideen</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Apr 2012 08:54:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>frederic</dc:creator>
				<category><![CDATA["Mach ma n Zettel"]]></category>

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		<description><![CDATA[Titel der offiziellen französischen Weltmeisterschaftslieder: 1978: Allez les bleus, allez la France 1982: Ollé la France 1986: Viva les Bleus 1998: Allez la France 2002: Tous ensemble 2006: Zidane y va marquer 2010: Bleu Blanc Rouge Ich erkenne da ein gewisses Muster.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Titel der offiziellen französischen Weltmeisterschaftslieder:</p>
<p>1978: <a href="www.youtube.com/watch?v=GpESSDcPOOU">Allez les bleus, allez la France</a><br />
1982: <a href="http://www.dailymotion.com/video/x83g07_denise-fabre-olle-la-france_music#from=embed">Ollé la France</a><br />
1986: Viva les Bleus<br />
1998: Allez la France<br />
2002: <a href="http://www.youtube.com/watch?v=ATNRq90niUU">Tous ensemble</a><br />
2006: <a href="http://youtu.be/J9elrXkpNfg">Zidane y va marquer</a><br />
2010: <a href="http://www.youtube.com/watch?v=wXm_nLDTSsE">Bleu Blanc Rouge</a></p>
<p>Ich erkenne da ein gewisses Muster.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Bayern feiern</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Apr 2012 10:12:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>frederic</dc:creator>
				<category><![CDATA["Mach ma n Zettel"]]></category>

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		<description><![CDATA[Das 2:1 ist ein Scheißergebnis, und ich habe den Eindruck, dass das zwar jeder weiß, aber keiner sagt. Alle freuen sich wie blöde über den Sieg gegen Real, und ich sage bewusst: wie blöde. Denn tatsächlich ist da sehr viel Hoffnung, die auf Grund des Gegentores mit wenig Zuversicht abgefedert wird. Wenn Real innerhalb der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das 2:1 ist ein Scheißergebnis, und ich habe den Eindruck, dass das zwar jeder weiß, aber keiner sagt. Alle freuen sich wie blöde über den Sieg gegen Real, und ich sage bewusst: wie blöde. Denn tatsächlich ist da sehr viel Hoffnung, die auf Grund des Gegentores mit wenig Zuversicht abgefedert wird. Wenn Real innerhalb der nächsten Woche herausfindet, wie man Ribéry kaltstellt, hat Bayern vorne kaum Optionen mehr. Robben ist keiner für die großen Spiele, das wird mal auf seinem Grabstein stehen. Zuzutrauen ist Mourinho das, schließlich ist der &#8220;mit allen Wassern gewaschen&#8221; (Marcel Reif), außer Entspannungsbädern.</p>
<p>Mit großem Interesse verfolge ich übrigens Badstubers Gesichtswandlung von Babyface zu Kneipenschlägerfresse. </p>
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		<title>Halbzeit</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Mar 2012 15:38:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>frederic</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurze]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Mann mit der Mütze geht nach Haus, der Mann mit Hut geht in den Urlaub. Und zwar mit Musik. Es gibt ja wahnsinnig schlechte Lieder über Bundestrainer, allein das Reimmassaker von De Höhner über Tante Käthe ist geeignet, jemanden, der Sprache tendenziell mag zur rituellen Selbstentleibung schreiten zu lassen. Leider gibt es das nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><iframe width="580" height="315" src="http://www.youtube.com/embed/aEtffckwIOs" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Der Mann mit der Mütze geht nach Haus, der Mann mit Hut geht in den Urlaub. Und zwar mit Musik. Es gibt ja wahnsinnig schlechte Lieder über Bundestrainer, allein das <a href="http://www.hoehner.com/start/musik/songtexte/tante-k%C3%A4">Reimmassaker von De Höhner über Tante Käthe</a> ist geeignet, jemanden, der Sprache tendenziell mag zur rituellen Selbstentleibung schreiten zu lassen. Leider gibt es das nicht als Video, aber es darf als zweifelhaft gelten, dass es peinlicher ist als das Video zum Franz Beckenbauer-Marsch.</p>
<p><iframe width="580" height="315" src="http://www.youtube.com/embed/0kr5TVRI-V4" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
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		<title>Beine ohne Brillen</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Mar 2012 12:20:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>frederic</dc:creator>
				<category><![CDATA[An fremden Brettern]]></category>
		<category><![CDATA[Tresenmonologe]]></category>

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		<description><![CDATA[Sascha Lobo macht sich über Behinderung Gedanken. Seine Arbeitshypothese: Jeder ist behindert. Es ist nur eine Frage der Umstände. Im Grunde ist eine drei Meter hohe Mauer auch nur eine Schwelle, die für die meisten das Weitergehen verhindert. Außer man hat eine Leiter. Oder eine Abrissbirne. Oder irgendein anderes Hilfsmittel. Sascha Lobo plädiert für eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sascha Lobo <a href="http://www.forschungs-blog.de/die-brille-fur-die-beine/">macht sich über Behinderung Gedanken</a>. Seine Arbeitshypothese: Jeder ist behindert. Es ist nur eine Frage der Umstände. Im Grunde ist eine drei Meter hohe Mauer auch nur eine Schwelle, die für die meisten das Weitergehen verhindert. Außer man hat eine Leiter. Oder eine Abrissbirne. Oder irgendein anderes Hilfsmittel.</p>
<p>Sascha Lobo plädiert für eine freundliche Sicht auf diese Hilfsmittel, die er als Werkzeuge zur Mobilitätsoptimierung sieht. Technologie sieht er &#8220;grundsätzlich als eine Art &#8216;extensions of man&#8217;&#8221;, vor der man keine Angst haben muss.</p>
<p>Bleiben wir kurz bei diesem Standpunkt, der bestechend pragmatisch klingt, bevor wir nachher zum Sport und besonders zum Fußball kommen. Der Artikel klingt so, als könne Technologie der Schlüssel sein, den Graben zwischen Behinderung und Nichtbehinderung einzuebnen und damit den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken &#8211; Technologie ist also antidiskrimierend, integrierend. Der Thrill ist dabei, dass Sascha doppelt argumentiert: Einerseits sagt er, dass es vielleicht der einzig sinnvolle Ansatz ist, &#8220;Einschränkungen als völlig normalen Teil des Lebens zu begreifen&#8221;. Andererseits sagt er: aber wir müssen dafür sorgen, dass diese Einschränkungen verschwinden, und da hilft uns die Technologie.</p>
<p>Das ist ein Irrtum. Es ist ein altes Probelm der Technologie, dass sie, bevor sie ein soziales Problem gelöst bekommt, es zuerst ins ökonomische Feld zieht, wo wieder ganz andere soziale Probleme entstehen. Behinderung ist, so sagt es auch Sascha zu Beginn seines Artikels, eine Frage der Relativität: man ist behindert <em>im Vergleich zu</em> oder <em>hinsichtlich auf</em>. Die Form der Einschränkung kennt jeder, siehe Mauer, aber deswegen ist nicht jeder behindert. Der Begriff der Behinderung hat die Funktion, &#8220;kognitive und psychische Zustände zu bezeichnen, die von normativen über mentale Fähigkeiten und physischen Funktionen abweichen&#8221; (Mitchel/Snyder). Anders gesagt: die Gesellschaft definiert, was Behinderung ist. Sie unterscheidet zwischen normalen und unnormalen Einschränkungen.</p>
<p>Die Bioethik geht diese Unterscheidung mit und will versuchen, die unnormale Einschränkung durch technologische Neuerung zu beheben. Das ist der Moment, wo ein soziales Problem ins ökonomische kippt. Über die Entwicklung, die Forschung und die Weitergabe dieser technologischen Neuerung entscheiden Unternehmen; und sie behaupten, schnelle Lösungen für unsere jetzigen Probleme, Ängste und Einschränkungen zu finden. Dafür investieren wir in Forschung und Entwicklung, ungefähr zehn Prozent des BIPs: mit dem Erfolg, dass Behinderung und Krankheit nicht abgenommen hat, sondern fortwährend neue Einschränkungen erfunden und definiert werden. </p>
<p>Da kommt der Sport ins Spiel, dem die Aufgabe zufällt, Körper zu produzieren, die uns im Vergleich als eingeschränkt, mithin behindert erscheinen lassen. Das gilt in besonders krassem Maß für den versehrten Körper: Die Paralympics sind im Grunde eine einzige große Aufforderung an alle Kaputten, denn sie zeigen, dass man es trotzdem schaffen kann. Und es meint: gesellschaftliche Akzeptanz. Voraussetzung ist eine doppelte Anstrengung: die des Behinderten, sich anzupassen, und die der Gesellschaft selbst, die die Hilfsmittel produziert.</p>
<p>Interessanterweise ist der Fußball für diese Art der Instrumentalisierung und Ideologisierung völlig ungeeignet. Der Fußball als Sport produziert ein anders, doppeltes Ideal: das der Selbstverwirklichung bei gleichzeitiger Unterordnung unter das Kollektiv. Tatsächlich ist es nicht selten das Fehlerhafte eines Spielers, das ihn besonders auszeichnet: sprechendstes Beispiel dafür ist Garrincha, der trotz seiner kaputten Beinen und seiner ans Pathologische grenzende Blödsinnigkeit vielen in Brasilien noch vor Pelé als größter Spieler aller Zeiten gilt. Oder Messi, den auf Grund seines Zwergenwuchses alle argentinischen Topclubs abgelehnt haben, und dessen tiefer Körperschwerpunkt heute seine Dribblings für den Gegner so unvorhersehbar macht.</p>
<p>Wenn man Behinderung nicht mehr als Einschränkung sieht, sondern als individuelles Merkmal, das Teil einer Persönlichkeit ist, verliert sie einen Teil ihres Schreckens. Ziel muss es sein, Abweichungen von der Norm nicht so stark zu sanktionieren wie heute. Anders in der Technologie, die jeden als Behinderten verstehen will, und jedes Leben als verbesserungswürdig an sieht. Dabei ist &#8220;keiner ist behindert&#8221; die viel freundlichere Sicht, ein erstrebenswerteres Ziel als die Arbeitshypothese, dass jeder behindert sei.</p>
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		<title>The Art of Trolling</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Mar 2012 09:07:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>frederic</dc:creator>
				<category><![CDATA["Mach ma n Zettel"]]></category>

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		<description><![CDATA[Ah ben voilà! Rémi Gaillard hat das Foot 2012-Video angekündigt, und obwohl ich mir schon vorstellen kann, was er da macht, freu ich mich doch. Ich habe keine große Befähigung zum Fan, ich bin einer jener Miesepeter, die an allem noch etwas auszusetzen finden, überall das eine störende Detail suchen, das Fans für gewöhnlich übersehen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ah ben voilà! Rémi Gaillard hat das <a href="http://www.dailymotion.com/video/xpen0r_teaser-foot-2012-remi-gaillard_fun">Foot 2012-Video</a> angekündigt, und obwohl ich mir schon vorstellen kann, <a href="http://www.youtube.com/results?search_query=remi+gaillard+foot&#038;oq=remi+gaillard+f&#038;aq=3&#038;aqi=g4&#038;aql=&#038;gs_sm=3&#038;gs_upl=1041206l1044557l0l1047604l7l7l0l1l1l0l107l537l5.1l6l0">was er da macht</a>, freu ich mich doch.</p>
<p>Ich habe keine große Befähigung zum Fan, ich bin einer jener Miesepeter, die an allem noch etwas auszusetzen finden, überall das eine störende Detail suchen, das Fans für gewöhnlich übersehen. Begeisterung finde ich meistens langweilig oder kindisch, vielleicht ist das gesund, wenn man es mit Lautern hält. Es gibt einige wenige Ausnahmen, und Rémi Gaillard gehört dazu.</p>
<p>Das ist deswegen doppelt seltsam, weil ich nichts so sehr hasse wie &#8220;Verstehen Sie Spaß?&#8221;-Formate. Sobald Leute vorgeführt werden im Fernsehen, muss ich wegschalten; ein wenig aus Mitleid mit den Leuten, ein wenig aus Scham über diese kumpelhafte Heranwanzung der TV-Produzenten, die mir das beruhigende Gefühl geben wollen, auf der richtigen Seite des Bildschirms zu sitzen; mir das Gefühl geben wollen, ich sei besser als die arme Sau, die durch den Fernseher getrieben wird. Was bei &#8220;Verstehen Sie Spaß?&#8221; noch ansatzweise als Frage durchging, verkam bei den pervertierten Nachfolger (ob es jetzt das Dschungelcamp ist oder Bauer sucht Frau, die Supernanny oder sonst irgendso ein Vorführformat) zu einer Frage nicht an den Akteur, sondern an den Zuschauer: Es ist diese Überlegenheit, die Kamera und Publikum eint, die ich widerwärtig finde wie wenig sonst.</p>
<p>Bei Gaillard geht mir das nicht so. Zum einen, weil er sich selbst zum Protagonisten macht, und &#8220;zum Protagonisten&#8221; meint: zum Affen. Oder einen seiner Compagnons: Der größte Idiot auf dem Platz ist nicht einer der teils fassungslosen, teils amüsierten Provinzfußballer, die da getrollt werden, sondern der Flitzer.</p>
<p><iframe width="580" height="315" src="http://www.youtube.com/embed/Rp0ksbz0mtE" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Das Idiotische ist Teil der Inszenierung, nicht <a href="http://www.youtube.com/watch?v=nDzMdgcMYjA">der Improvisation</a>:</p>
<p><iframe width="580" height="315" src="http://www.youtube.com/embed/iqEPxAOx9eU" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Abgesehen mag ich die meisten seiner Ideen, die oft <a href="http://www.youtube.com/watch?v=81szj1vpEu8">etwas großartig Anarchisches</a> in <a href="http://www.youtube.com/watch?v=uvYxXBMqEOM">sich bergen</a> und regelmäßig mit seiner Verhaftung enden, weil er, wenn er dann doch etwas übergriffiger wird, sich einen Gegner aussucht, der sich zu wehren weiß: die Polizei.</p>
<p>Kurzum: ich bin Fan. Wenn nochmal ein Trikot, dann mit seinem Namen drauf.</p>
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		<title>Zahlung. Moral.</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Mar 2012 11:52:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>frederic</dc:creator>
				<category><![CDATA["Mach ma n Zettel"]]></category>

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		<description><![CDATA[Der wahrscheinlich grandioseste Kommentar zur Ehrensold-Debatte von Wulff war im Focus zu lesen: Es nützt nichts, wie derzeit gern praktiziert, die Verkäuferin ins Feld zu führen, die wegen unrechtmäßig eingelöster Pfandbons ihren Job verloren hat. Auch diese Entscheidung beruht übrigens auf bestehender Rechtslage. Aber der Missstand, den man hier beklagen kann, wird nicht dadurch aufgehoben, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der wahrscheinlich <a href="http://www.youtube.com/watch?v=Y1g2Cx03L2I">grandioseste</a> Kommentar zur Ehrensold-Debatte von Wulff <a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/fietz-am-freitag/affaere-um-ex-bundespraesident-deutschland-wird-den-ehrensold-fuer-wulff-verkraften_aid_719950.html">war im Focus zu lesen</a>:</p>
<blockquote><p>Es nützt nichts, wie derzeit gern praktiziert, die Verkäuferin ins Feld zu führen, die wegen unrechtmäßig eingelöster Pfandbons ihren Job verloren hat. Auch diese Entscheidung beruht übrigens auf bestehender Rechtslage. Aber der Missstand, den man hier beklagen kann, wird nicht dadurch aufgehoben, dass an anderer Stelle ein Exempel statuiert wird. Derartige Debatten entsprechen Klassenkampftheorien, schüren Neid und führen zu keinem Ergebnis. Wenn man die Diskrepanz zwischen oben und unten thematisieren will, dann muss man nicht die Politiker der arbeitenden Bevölkerung gegenüberstellen, denn sie sind nicht überbezahlt. Wenn, dann gehören die Einkommen von Wirtschaftsgrößen sowie Sport- und Showstars auf den Prüfstand. Sie stehen vielfach in keinem Verhältnis mehr zur erbrachten Leistung und heben sich in bisweilen unmoralischer Dimension von Einkünften fleißig arbeitender Menschen ab.</p></blockquote>
<p>Man könnte jetzt natürlich fragen, welche &#8220;erbrachte Leistung&#8221; von Wulff jetzt honoriert werden soll, aber gut. Warum Fußballspieler so viel verdienen, darauf gibt es drei Antworten: eine <a href="http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/erklaer-mir-die-welt-4-warum-verdienen-fussballspieler-so-viel-geld-1353486.html">differenzierte</a>. Eine undifferrenzierte, von Michael Rumenigge:</p>
<p><iframe width="580" height="315" src="http://www.youtube.com/embed/HTNGIC6omv0" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Beide Antworten suggerieren, es gäbe sowas wie einen Sinn darin, dass Fußballspieler und Fernsehstars Millionen verdienen, Zeitungsausträger aber nicht. Dabei ist es genau andersrum: Man verdient nicht soviel, wie man wert ist, man ist so viel wert, wie man verdient. Und angesichts dessen kann man jedem alles gegenüberstellen, Politiker gegen Bäckereifachverkäufer, TV-Stars gegen Obdachlose, Fußballspieler gegen Ordner: sobald man aufhört, die Tautologie dieser Wertschöpfung anzuerkennen, ist jede Diskrepanz in den Verdiensten sinnlos und absurd.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Die Erfindung des Stutzens</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Mar 2012 11:11:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>frederic</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurze]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Kopfball! Der Kopfball!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Kopfball! Der Kopfball!</p>
<p><img src="http://www.zumblondenengel.de/wp-content/uploads/2011/10/Fußball-damals.jpg" alt="" width="600" height="730" class="alignnone size-full wp-image-68" /></</p>
<blockquote><p>November 1872. Scotland 0 v England 0. A hand-coloured engraving depicting incidents from the historic first match between Scotland and England. The game was played on the West of Scotland Cricket Ground, watched by a crowd of just 4,000.</p></blockquote>
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		<title>Chelsea. Hoffenheim.</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Mar 2012 10:44:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>frederic</dc:creator>
				<category><![CDATA[Tresenmonologe]]></category>

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		<description><![CDATA[Chelsea. Hoffenheim. &#8212; Kürzlich Moneyball gesehen. Solider Film, bis auf das Ende. Interessanter wäre sicher gewesen, was Soderbergh hat machen wollen, halb Dokumentation halb Spielfilm, etwas, was mich nicht nur emotional auslastet. Aber Hollywood weigerte sich, zu kompliziert, und Soderbergh wollte nicht von seinen Ideen weg: er musste gehen, Miller hat übernommen. Aber verdammt, Soderbergh [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Chelsea. Hoffenheim.</p>
<p>&#8212;</p>
<p>Kürzlich <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Moneyball_%28film%29">Moneyball</a> gesehen. Solider Film, bis auf das Ende. Interessanter wäre sicher gewesen, was Soderbergh hat machen wollen, halb Dokumentation halb Spielfilm, etwas, was mich nicht nur emotional auslastet. Aber Hollywood weigerte sich, zu kompliziert, und Soderbergh wollte nicht von seinen Ideen weg: er musste gehen, Miller hat übernommen. Aber verdammt, Soderbergh hat Recht: Wenn man schon die offene Entwicklung nicht hat, wie sie ein Match mit sich bringt, muss man sich Nostalgie reinholen. Man muss Sportfilme machen wie man Biografien schreibt: wehmütig, entdramatisiert. Als Melancholiker.</p>
<p>&#8212;</p>
<p>(Man müsste Miller verbannen dafür, dass er es schafft, aus hochkomplexen Scripten immer wieder das schlechteste rauszuholen, aus den Schauspielern aber das beste. <a href="http://www.youtube.com/watch?v=Q4BvvJ69pIQ">Capote</a> war schon grenzwertig, wobei es (vermutlich unfreiwillig) konsequent war, Philip Seymour Hoffman auf der Bühne Capotes Lebens und Liebens schlicht eine der beeindruckendsten schauspielerischen Leistungen der letzten zehn, fünfzehn Jahre liefern zu lassen; dass die Figuren unklar bleiben, dass die Tragik von Perry und Smith niemals spürbar wird, dass auch Capote nur durch Hoffmans Spiel, nicht aber durch die Geschichte verständlich wird in seiner Zerrissenheit; trotzdem bleibt der Selbstmord am Ende einer der abruptesten und am schlechtesten motivierten der Filmgeschichte. Es ist der eigentliche Witz von Moneyball, dass Miller Soderbergh abgelöst hat; denn Soderbergh wollte näher ran an Capotes Auffassung, dass man auch sehr nah an der Biografie entlang eine gute Geschichte erzählen kann. Miller hingegen sieht nicht die Geschichte, er sieht immer nur das Klischee; dass er eine Hand hat für Kameraführng und starke Bilder, macht das ganze nur schlimmer, denn es verleitet regelmäßig Kritiker zu glauben, seine Filme wären gut. Richtig ist: sie sind schlechter als ihr Stoff.)</p>
<p>&#8212;</p>
<p>Das Ende von Moneyball. So, wie der Film jetzt ist, ist es <a href="www.youtube.com/watch?v=fkKCNXbtmcY">kitschig</a>. Aber nicht zu kitschig: es ist, wie soll ich sagen, ziemlich französisch. Billy Beane stellt ein Baseball-Team nach Statistiken zusammen, statt auf althergebrachte Maßstäbe zu setzen, und nach anfänglichen Schwierigkeiten wird es erfolgreich; obwohl, nicht wirklich erfolgreich, das Team gewinnt keinen Titel, sondern bricht nur einige Statistikrekorde; Beane könnte, weil er relativ, im Sinne von: in Relation, erfolgreich ist, von einem großen Team mit vielen Mitteln abgeworben werden; er lehnt ab. Dem Film nach wegen seiner Tochter; wichtiger aber ist, dass man Brad Pitt, der Beane spielt, glaubt, sein Charakter habe keine Befähigung zum Glück; kein Talent zur Erfüllung. Das ist die Tragödie des Billy Beane; aber auch das, was ihn zu einem großen Charakter macht. Am Ende wird er nicht mit Geld belohnt, nicht mit dieser spontanen Spielart des Ruhms, den das Fernsehen bringt, er wird nicht mit der öffentlichen Anerkennung durch seinen Sport geadelt; er speist seinenRuhm nur dadurch, dass man Geschichten über ihn erzählt, Filme über ihn macht, dass man sich seiner erinnern wird.</p>
<p>&#8212;</p>
<p>Chelsea. Hoffenheim. Es ist ja nicht so, dass sie schlechten Fußball gespielt haben; im Gegenteil. Diese eine Hoffenheimer Vorrunde war fast ebensogut wie das, was Dortmund heute liefert, und die Duele zwischen Chelsea und Barcelona will ich weiß Gott nicht missen. Es liegt also nicht an der Substanz selbst, es liegt nicht am Fußball.</p>
<p>&#8212;</p>
<p>In Hoffenheim war ich einmal im Stadion, es ist fürchterlich. Das Problem ist nicht so sehr die fehlende Stimmung, ich schau mir auch Siebtligapartien an, da ist regelmäßig auf Begräbnissen mehr los; das Problem ist nicht die mit Lgen zugepflasterte Gegengerade; nein, das Problem ist, dass es zu viel Stimmung gibt. Man fühlt sich in Hoffenheim zu sehr an Stadion erinnert, man vergleicht unwillkürlich mit Erlebnissen in Frankfurt, in Lautern, auf Schalke oder in Dortmund. </p>
<p>Chelsea, Hoffenheim. Beide übermotiviert gestartet, mit viel Geld angereichert, als Projekt, als Simulation. Beides Vorhaben auf dem grandiosen Weg des Scheiterns, aber anders als in Moneyball, anders als Billy Beane: es gibt keine Größe in ihrem Scheitern. Es ist ein völlig banales Scheitern, als ob man zum Geburtstag einen Möbelgutschein bekommt und ihn zurückgeben muss, weil man einen Teppich haben will, und Teppiche nicht mit abgedeckt sind in dem Angebot. Es gibt keine Möglichkeit zur Melancholie bei diesen Clubs, nur Euphorie: deswegen können sie nur scheitern. Es gibt bei diesen Clubs immer nur ein &#8220;in guten wie in besten Zeiten&#8221;, kein Treuegelübde. </p>
<p>&#8212;</p>
<p>Man hat die Kritik an Hoffenheim, an Chelsea oft <a href="http://www.rp-online.de/sport/fussball/vereine/tsg-hoffenheim/gehoert-hoffenheim-in-die-bundesliga-1.1646197">missgünstig</a> genannt, und rückwärtsgewandt, weil gegen die Kommerzialisierung des Sports gerichtet, die ja ohnehin nicht aufzuhalten ist. Dabei ist Hoffenheim <a href="http://www.schwatzgelb.de/2011-09-02_gastautoren_wer-fussball-liebt-darf-hoffenheim-nicht-hinnehmen.html">der wahrscheinlich unkommerziellste Verein der Bundesliga</a>; sie haben nämlich nichts, was sie vermarkten könnten, keine Fans, keine Vergangenheit, keine Identität. Keine Geschichte, nur ein kaum auscolorierter Entwurf.</p>
<p>&#8212;</p>
<p>Was wahrscheinlich weder Hopp noch Abramowitsch so sehen; es ist noch nicht mal das Geld, das fantasielos macht, sondern der Glaube, Größe entstehe durch Erfolg. Ein Grundmissverständnis. Größe misst sich an der Fallhöhe, die man, wenn man scheitert, zu durchmessen hat. 1860 ist eine Tragödie, Hoffenheim ist eine Farce. Genauer: 1860 ist eine aus lauter Farcen zusammengesetzte Tragödie, die die Geschichte zusammengezurrt hat. Sollte Hoffenheim sich tatsächlich die nächsten 40, 50 Jahre oberhalb der Wahrnehmungsgrenze bewegen, wer weiß, vielleicht werden sie dann sowas wie Stuttgart. Bis dahin sind sie eine reine Pointe, ein Witz; man muss es ihnen selbst wünschen, dass sie regelmäßig und deutlich scheitern.</p>
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