Spanien – Kroatien 1:0

Tatsache, so langsam sieht das wieder nach Fußball aus. Oder eben nach Bilboquet. Ein Hauch von Nürnberg gegen Freiburg durchwehte gestern den Raum, was selten ist in diesem tatsächlich besten internationalen Turnier seit Jahrzehnten, kurz unterbrochen von zwei Momenten, die an einen anderen Ausgang hätten denken lassen können: der nicht gegebene Elfmeter an Mandzukic in der ersten Halbzeit und der Kopfball von Rakitic.

Hätte, wäre, könnte. Normalerweise werden Nachfragen der Journalisten, waspassiertwärewenn, gerne quittiert mit einem Kopfschütteln; es war anders, also muss es auch so gewesen sein. Der Schiedsrichter pfiff nicht, also war es kein Elfmeter. Natürlich kann man darüber streiten, ob Ramos Mandzukic derart mit der Kettensäge hinwegfegen durfte; man könnte aber genausogut darüber diskutieren, ob Ramos nicht noch effektiver würde, wenn Robert Rodriguez ihn trainieren würde.

Spekulationen haben einen schlechten Ruf, dabei sind sie ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal des Fußballs gegenüber anderer Sportarten: der Fußball ist nämlich vergleichsweise schwer berechenbar (“weil sie nicht wissen, wies ausgeht”), und noch viel wichtiger: man hat alle Zeit der Welt während eines Fußballspiels. Man muss sich nicht an den Fakten orientieren, man kann es ohnehin erst danach vorher gewusst haben.

Das fehlt mir ein bisschen an den vielen, sehr fundierten Analysen auf den ganzen einschlägigen Portalen; dieses verspielte, unbedachte. Wenn ich jetzt über Fußball lese, befällt mich eine leichte Spiegel-Online-Allergie. Vielleicht ist diese Art, Fußball zu lesen, die zeitgemäße in dieser sehr naturwissenschaftlich geprägten Epoche; mich allerdings beginnt sie ähnlich zu langweilen wie das Spiel gestern.

Und: über die Spanier wird erst wieder geschrieben, wenn sie wirklich gefordert sind. Und/oder England zerlegen.